Dienstag, 1. November 2011

große Dinge und große Worte

Der Große hat eine Lehrstelle!!!
Grinsend kam er aus dem Gebäude, querte die Straße und schlurfte auf den VW-Bus zu, in dem wir, ganz liebende Familie, Burger-mampfend auf ihn warteten.
"Am 1. September kann ich anfangen!" - strahlend.
Ich kann es heute fast noch nicht fassen, aber der Tag gestern war ein guter und er blieb es auch, heute darf ich ihn ja loben, der Abend ist längst vorüber ;)
Dass bei uns mal was so reibungslos und unverhofft klappt? Das erste Vorstellungsgespräch und zack....!
So soll es sein, so kann es bleiben.
Nun darf er sich sonnen in seinem Erfolg, die freien Tage von der Schule genießen und dann ganz entspannt und auf Hochtouren sein letztes Schuljahr fertig machen. Glänzend, bitte schön! (Man kann ja mal ne Forderung stellen, gelle....)
Und heute? Dieser Feiertag... am ersten November. Hach ja, ist halt nicht zu umgehen.
Am Nachmittag große Worte, ein Gespräch mit dem Sandwichkind.
Der Junge hat keine Freunde, dabei ist er so ein wirklich liebenswerter Kerl.
Und grundehrlich, manchmal. Er kann aber auch lügen, dass sich die Balken biegen.
Ich liebe dieses Kind, auch oder gerade weil er momentan in einer schwierigen Phase steckt.
Er weiß mit sich selbst nicht immer etwas anzufangen, wirkt traurig und nervös. Aber er kann momentan nicht mit Jungen in seinem Alter. Die sind ihm selber zu ungezogen, zu laut, zu angeberisch, zu unvernünftig.... er bräuchte jemanden, der zu 100 % so ist wie er. Dass es so etwas nicht geben kann, sieht er in der Theorie durchaus ein. Aber in der Praxis kann er nun mal nicht aus seiner Haut.
Helfen kann ich ihm da nicht wirklich. Aber ich habe das getan, was ich kann: mir Zeit genommen, mit ihm geredet. Vorschläge gemacht, zugehört und irgendwann auch aus meinem Leben in seinem Alter geplaudert.
Gut, dass diese Dinge bei mir noch präsent sind. Dass ich ihm erzählen kann, wie meine beste Freundin mich am ersten Schultag abserviert hat, indem sie sich umsetzte, ohne Vorwarnung. Ich war geschockt, sah dann aber das neue Mädchen in der Klasse, ergriff die Gelegenheit und lotste sie auf den nun freien Platz neben mir.
Die Neue war heilfroh und es entwickelte sich eine gute Freundschaft. Wie das Leben so spielt, hatte es ausgerechnet meine vormals beste Freundin nun auf DIESES Mädchen abgesehen und es dauerte nicht allzu lange, und schwupps saßen diese beiden nun nebeneinander.... Übrig blieben die zwei "verlassenen", und wir machten aus der Not eine Tugend und taten uns zusammen. Auch mit ihr verstand ich mich sehr gut, sie war ein sehr nettes Mädchen.
Wer das denn gewesen sei, fragte mein Sohn und ich erzählte weiter, dass sie mit 16 Jahren leider bei einem Unfall ums Leben kam, sonst wären wir vielleicht heute noch in Kontakt.
Und weil heute eben dieser ganz besondere Tag war, standen mir doch tatsächlich Tränen in den Augen. So weinten wir ein klein wenig, der Sohn und ich, um die, die nicht mehr da sind oder die nicht wissen, dass wir sie gern bei uns hätten. Um die, die wir bereits zu Grabe getragen haben.
Und dann zündeten wir gemeinsam ein Gedenklicht auf dem Hundegrab im Garten an. So was kann ungemein helfen.
Übrigens auch unser Hund. Der war ganz außer sich, spürte unsere Traurigkeit und "küsste" unsere Tränen weg.
So ist das Leben.
Aufstehen, abschütteln, nach vorne blicken, weiter gehen....!